Gute und schlechte Pressemeldungen

Seit rund zwei Jahren befasse ich mich mit Pressemeldungen, seit einem Jahr täglich und sehr intensiv. Es ist erstaunlich, was einem dabei vor die Tastatur fällt. Nicht nur inhaltlich.

Natürlich kommen die Informationen per Mail. Die werden gelesen, ggf. aussortiert und anschließend weiterverarbeitet. Die meisten Meldungen erscheinen kurz darauf online, die interessantesten gelangen in die jeweiligen Zeitschriften. Prinzipiell alles kein Problem, aber je nach Verfasser kann dieser Prozess in unnötiger Arbeit ausarten. Deshalb möchte ich nachfolgend einige Punkte aufzählen, welche eine Veröffentlichung fördern oder verhindern. Auch als Notiz für mich selbst.

Zusammenfassung

Es ist äußerst hilfreich, wenn in der Mail oder dem ersten Absatz der Pressemeldung in ein bis drei Sätzen der Inhalt erklärt wird. Die Meldungen können teilweise über mehrere Seiten gehen und da ist es dienlich, wenn man nicht alles lesen muss, um zu verstehen, worum es geht.

Sind diese Sätze zudem kurz und prägnant, können sie in dieser Form sogar für Twitter übernommen werden.

Eigenwerbung

In den meisten Meldungen, die ich erhalte, geht es im Kern um Werbung für eine Firma oder Produkte. Das ist grundlegend nicht verkehrt, aber es gibt durchaus Texte, die es übertreiben. Bspw. wenn das Produkt in fast jedem Satz namentlich erwähnt wird. Insbesondere, wenn laufend ein Trademarkzeichen dahinter steht. Das stört den Lesefluss enorm.

Sätze der Marke »wir sind die Geilsten« werden ohnehin gestrichen und Produktwerbung, die Wunder verspricht, erscheint nicht.

Textform

Hier gibt es große Unterschiede. Mit das Schlimmste sind Mails, in denen nur steht, dass sich eine PDF im Anhang befindet. Die PDF enthält, wenn überhaupt, miese Fotos und schlecht formatierten Text. Das bedeutet, dass pro Zeile ein Umbruch kommt, weswegen man anschließend jede Zeile manuell anfassen muss. Zwar werden viele dieser Beiträge redigiert, aber es ist dennoch nervig.

Ebenfalls unbeliebt sind Pressemeldungen, in denen die ganze Meldung in der Mail steht, die Bilder eingebettet wurden und nicht heruntergeladen werden können oder der Text komplett farbig markiert wurde.

Bei Office-Dokumenten kommt es stark auf das Format an. Heutzutage muss man davon ausgehen, dass es Menschen gibt, die mit LibreOffice arbeiten und entsprechend sollte man ein offenes Format wählen.

Am besten ist ein Link in der Mail, die zu einer Webseite mit der Pressemeldung führt. Hier können die Bilder in mehreren Formaten angezeigt und bequem ausgewählt werden.

Bildmaterial

Bei Fotos kann allerlei schieflaufen. Gerade für Print werden große Fotos in guter Qualität bevorzugt. Oft erhält man selbst 2021 Bilder in Briefmarkengröße, ohne einen Hinweis, wo man eine bessere Version downloaden kann. Manchmal bekommt man überhaupt keine Fotos.

Zu beachten sind die Seitenverhältnisse. Wir setzen bevorzugt 16:9 ein, erhalten aber oft nur Hochkantformate. Merke: Aus einem 16:9 Bild kann ich hochkant ausschneiden, umgekehrt ist es schwieriger. Am besten sind Fotos, die ein wenig drumherum zeigen, damit man, je nach Verwendungszweck, das Motiv freistellen kann.

Ärgerlich sind Meldungen über Produkte, die kein Foto des Produkts enthalten. Oder Bilddateien, die aussehen, als hätte sie der Praktikant beim Vorbeilaufen mit einem alten Nokia-Handy gemacht.

Link zur Webseite

Gelegentlich bekomme ich Meldungen, bei denen es um eine neue Webseite geht. Und während seitenweise die Innovationen beschrieben werden, sucht man den Link zur Seite vergeblich. Weder im Text, noch in der Mail.

Was ebenfalls vorkommt: Der angegebene Link funktioniert nicht. Spätestens hier weiß man, dass selbst die eigenen Pressemeldungen nicht gelesen und geprüft werden.

Titel der Meldung

Wenn die Überschrift länger ist als die eigentliche Meldung, ist es schlecht. Kurz und aussagekräftig bitte.

Einleitender Text

Die Einleitung einer Meldung kann sehr unterschiedlich ausfallen. Extrem nervig sind endlose Sätze, die man nur schwer kürzen kann. Viele Leser brechen dabei mittendrin ab.

Vorteile einer guten Pressemeldung

Es geht nicht nur darum, dass Leben von Redaktionen zu erleichtern, sondern die Folgen. Je besser eine Meldung aufgestellt und geschrieben wurde, umso größer die Chance, dass sie verbreitet wird. Teilweise habe ich den Eindruck, dass genau das Gegenteil erwünscht ist.

Mittlerweile habe ich sogar ein paar »Lieblingskunden«. Weil sie wenig Arbeit machen und gute Meldungen mit tollen Fotos liefern, ziehe ich sie i. d. R. vor. Und das ist ein Erfolg, den sich andere Schreiber und Agenturen nur wünschen können.